Kurze Antwort vorweg
Wenn Sie ein Einfamilienhaus haben, einmalig einen Elektriker anrufen wollen und den Rest der Wallbox-Lebenszeit vergessen möchten — Easee Home. Wenn Sie im Miet-Haus wohnen, PV auf dem Dach haben oder die Flexibilität wollen, die Box bei einem Umzug mitzunehmen — go-e Charger. Wenn Sie einen MID-geeichten Zähler brauchen, weil Sie den Strom auch an andere Fahrer weitergeben: go-e Gemini 2.0.
Die Vergleichstabelle (Stand April 2026)
| Kriterium | Easee Home | go-e Gemini 2.0 / flex |
|---|---|---|
| Preis (April 2026) | ab 698 € (22 kW Anthrazit) | 632 € (Gemini 2.0) · 539 € (flex) |
| Max. Leistung | 22 kW 3-phasig | 11 kW 3-phasig |
| MID-Zähler | Nein (±2 % interner Zähler) | Gemini 2.0: Ja · Flex: Nein |
| Anbindung ChargeReport | Cloud-API (OAuth) | Cloud-API (Token) + OCPP 1.6J |
| Installation | Fest (Elektriker) | Fest (Gemini 2.0) · CEE mobil (flex) |
| PV-Überschussladen | Ja (via Easee Equalizer) | Ja (nativ, HomeAssistant/evcc) |
| Dynamisches Lastmanagement | Ja (Equalizer, auch Multi-Box) | Ja (Controller, bis 16 Boxen) |
| Mehrere Fahrer trennen | RFID-Chip (pro Fahrer) | RFID-Chip (pro Fahrer) |
| App-Qualität | Sehr gut (Apple Design) | Funktional, weniger poliert |
| Community / DIY | Geschlossenes System | Offen, stark in DACH-Foren |
| Hersteller-Herkunft | Norwegen | Österreich |
Kriterien im Detail
1. Preis und Verfügbarkeit
Der go-e Charger Gemini flex ist im April 2026 für 539 € (Geizhals) die günstigste Anbindungs-Option. Der fest installierte Gemini 2.0 liegt mit 632 € knapp darüber. Die Easee Home startet nominell bei 698 €, ist bei diesem Tiefstpreis aber bei den günstigsten Händlern regelmäßig nicht lieferbar; reale Bestellpreise liegen bei 780–850 €. Wer auf Preis optimiert, nimmt go-e; wer Easee will, sollte im Fachhandel anfragen und notfalls 2–3 Wochen Lieferzeit einplanen.
2. MID-geeichter Zähler
Das BMF-Schreiben vom November 2025 verlangt ab 2026 einen Einzelnachweis pro Ladevorgang. Ein MID-geeichter Zähler ist dafür nicht zwingend — die Finanzverwaltung akzeptiert die tatsächlich geladene kWh-Menge aus einer belastbaren Session-Erfassung, wie ChargeReport sie liefert. MID wird erst dann relevant, wenn Sie den Strom an Dritte weiterverkaufen (Nachbarn, Vermieter-Konstellationen). Der go-e Gemini 2.0 bringt MID ab Werk mit, bei Easee fehlt das — wenn das ein hartes Kriterium ist, gewinnt go-e.
3. Portabilität
Der go-e Charger Gemini flex ist die einzige Variante, die ausdrücklich mobil gedacht ist: CEE-Stecker, einfach in die Starkstrom-Dose gesteckt, lädt dort mit bis zu 11 kW. Sinnvoll für Mieter, Ferienhäuser oder Pendler, die an mehreren Standorten laden. ChargeReport erfasst alle Sessions zusammen, egal an welcher Dose der Charger hing. Easee hat diese Variante nicht — ihre Produktphilosophie ist die feste Installation.
4. PV-Überschussladen
Wer PV auf dem Dach hat, will die Solar-Energie bevorzugt ins Auto laden statt einzuspeisen. Beide Hersteller können das, aber der Ansatz unterscheidet sich: Easee nutzt einen separaten Sensor (Equalizer) am Hauptzähler und regelt die Wallbox dynamisch — funktioniert sauber, aber als geschlossenes System, keine Integration in HomeAssistant. go-e funktioniert genauso, aber mit offener Cloud- und lokaler HTTP-API, die in fast jeder EMS-Lösung (HomeAssistant, evcc, openWB) direkt nutzbar ist. Für die Dienstwagen-Abrechnung wichtig: Strom aus dem eigenen PV-Dach darf der Arbeitgeber nicht erstatten — nur Netzbezug. ChargeReport trennt beide Anteile, wenn Sie Ihre PV-Anlage in den Einstellungen hinterlegen.
5. App und User Experience
Die Easee-App fühlt sich an wie ein modernes Apple-Produkt — klares Layout, schnelle Animationen, der Einrichtungs-Wizard führt durch alle Schritte. Die go-e-App ist deutlich funktionaler ausgerichtet: dichtere Info-Panels, weniger Animation, aber alle Einstellungs-Schrauben direkt sichtbar. Wer einmalig einrichten und vergessen will: Easee. Wer oft ins Setup eingreift (Ladeleistung morgens manuell drosseln, PV-Grenzwert saisonal anpassen): go-e.
6. Zweitmeinung: Was sagt ChargeReport aus Datensicht?
Aus unserer Integration heraus: beide API sind stabil. Easee pollt sauber alle 15 Minuten, liefert pro Session kWh, Start- und End-Timestamp plus Fahrer-ID (wenn RFID gesetzt). go-e liefert das gleiche Set plus zusätzliche Felder zur Lademethode (Eco-Modus für PV-Überschuss vs. Netzladen) — praktisch für die Netz/PV-Trennung im BMF-Bericht. Ausfälle: bei Easee selten durch Hersteller-Cloud-Wartung, bei go-e ebenfalls selten, aber durch die offene lokale API kann man im Notfall manuell nachsynchronisieren.
Drei konkrete Szenarien
Szenario A — Einfamilienhaus, 1 Dienstwagen, keine PV
Sie kommen abends nach Hause, stecken ein, laden über Nacht. Keine Besonderheiten. Easee Home ist hier der saubere Pick: einmal installiert, schön unauffällig an der Wand, Sie werden sich in 10 Jahren nicht mehr daran erinnern, dass sie da ist. go-e Gemini 2.0 funktioniert genauso gut und kostet weniger, hat aber ein leicht industrielleres Auftreten.
Szenario B — Mieter oder zwei Wohnorte
Sie wohnen zur Miete, oder Sie pendeln zwischen Haupt- und Zweitwohnsitz und wollen an beiden Orten laden. go-e Charger Gemini flex ist hier konkurrenzlos: CEE-Stecker, mobil, 539 € Kaufpreis, keine Installation nötig. Sie brauchen am Ladeort eine CEE-16A- oder CEE-32A-Steckdose — die hat fast jeder Elektriker für 80–150 € nachinstalliert.
Szenario C — PV-Anlage und Eigenheim
Sie haben 10 kWp auf dem Dach und wollen soviel Eigenverbrauch wie möglich. Beide Wallboxen machen das, aber wenn Sie ohnehin schon mit HomeAssistant, evcc oder openWB arbeiten, spart go-e eine Schnittstelle — die Box spricht mit Ihrem EMS direkt. Wenn Sie aus dem Kasten laden wollen, geht Easee mit Equalizer genauso gut, ist aber 250–300 € teurer (Equalizer-Zubehör dazu).
Drei Gründe, wann keine der beiden passt
Auch wenn der Artikel vergleichend geschrieben ist — manchmal ist eine dritte Option die bessere:
- Sie haben eine Fronius-PV-Anlage — dann ist der Fronius Wattpilot die logische Wahl, weil er nativ über Solar.web kommuniziert.
- Sie fahren einen ID.4/ID.5 mit WeCharge-Paket — der bereits inkludierte Elli Charger liefert den vergleichbaren Funktionsumfang ohne Zweit-Hardware.
- Sie brauchen OCPP 1.6J ohne Hersteller-Cloud — dann ist KEBA KeContact P30 oder Mennekes Amtron die klarere Wahl, weil beide OCPP ab Werk sprechen, ohne Cloud-Umweg.
Häufige Fragen
Welche ist günstiger — Easee oder go-e?+
Im April 2026 liegt der go-e Charger Gemini flex bei rund 539 € (Geizhals-Tiefstpreis), der fest installierte Gemini 2.0 bei 632 €. Die Easee Home startet bei 698 € für die 22-kW-Anthrazit-Variante mit Typ-2-Dose, ist aber bei den günstigsten Händlern häufig nicht lieferbar — reale Bestellpreise liegen bei 780–850 €. Über die Lebensdauer relativiert sich das: beide Boxen halten problemlos 10+ Jahre.
Funktionieren beide mit ChargeReport?+
Ja. Beide sind über die offizielle Hersteller-Cloud-API angebunden — Easee per OAuth-Login mit dem Easee-Account, go-e per API-Token aus der go-e-App plus Seriennummer. Setup jeweils 2–3 Minuten, kein Netzwerk-Fummeln, keine Zusatzhardware.
Welche hat einen MID-geeichten Zähler?+
Der go-e Charger Gemini 2.0 hat MID ab Werk. Der ältere Gemini 1.x (inklusive Flex-Variante) hat einen internen Zähler ohne MID-Prüfung, aber mit ±1 % Genauigkeit. Die Easee Home hat keinen MID-Zähler, der Hersteller gibt ±2 % Messgenauigkeit an. Für die BMF-Dienstwagen-Erstattung reicht in allen Fällen die tatsächlich geladene kWh-Menge — MID ist nur zwingend, wenn Sie Strom an Dritte weiterverkaufen. Details dazu im Artikel zum BMF-Schreiben.
Welche passt besser zu einer PV-Anlage?+
Beide unterstützen PV-Überschussladen, aber go-e hat den nativeren Ansatz: Cloud-API plus lokaler HTTP-Endpunkt mit dedizierter PV-Logik, funktioniert reibungslos mit HomeAssistant, openWB und evcc. Easee setzt auf den hauseigenen Equalizer — elegant, aber als geschlossenes System. Für Bastler gewinnt go-e, für Plug-and-Play gewinnt Easee.
Kann ich die Box bei Umzug mitnehmen?+
Der go-e Charger Gemini flex hat einen CEE-Stecker und ist explizit mobil — Sie stöpseln ihn aus, nehmen ihn mit, schließen ihn am neuen Ort an eine Starkstrom-Dose an, fertig. Alle anderen Varianten (Easee Home, go-e Gemini 2.0, go-e HOMEfix) sind fest installiert und würden bei einem Umzug einen neuen Elektriker-Einsatz benötigen.
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Setup-Details pro Marke
Konkreter Anbindungsweg, FAQ und BMF-Abrechnung: